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Internationaler Strafgerichtshof
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Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH; englisch International Criminal Court, ICC; franzĂśsisch Cour pĂŠnale internationale, CPI) ist ein ständiges internationales Strafgericht mit Sitz in Den Haag (Niederlande) auĂerhalb der Vereinten Nationen. Seine juristische Grundlage ist das multilaterale RĂśmische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs vom 17. Juli 1998. Er nahm seine Tätigkeit am 1. Juli 2002 auf. Seine Zuständigkeit umfasst die vier Kernverbrechen des VĂślkerstrafrechts, nämlich VĂślkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verbrechen der Aggression und Kriegsverbrechen, soweit sie nach seiner GrĂźndung begangen wurden. Im Dezember 2017 einigten sich die Vertragsstaaten, auch das Verbrechen der Aggression in seine Zuständigkeit aufzunehmen, mit Wirkung ab Juli 2018. Zwar besitzt der IStGH keine universelle, jedoch eine weitreichende Zuständigkeit, die im RĂśmischen Statut konkret festgeschrieben ist. GegenĂźber der nationalen Gerichtsbarkeit ist seine Kompetenz zur Rechtsprechung nachrangig; er kann eine Tat nur verfolgen, wenn eine nationale Strafverfolgung nicht mĂśglich oder staatlich nicht gewollt ist, sog. Grundsatz der Komplementarität. Seit März 2024 steht die japanische Richterin Tomoko Akane dem IStGH als Präsidentin vor; Chefankläger ist seit Juni 2021 der britische Jurist Karim Ahmad Khan. Der IStGH wird von derzeit 125 Vertragsstaaten unterstĂźtzt, darunter alle Staaten der Europäischen Union. Länder wie China, Indien, die Vereinigten Staaten, Russland, die TĂźrkei und Israel haben das RĂśmische Statut entweder gar nicht unterzeichnet, das Abkommen nach der Unterzeichnung nicht ratifiziert oder ihre Unterschrift zurĂźckgezogen.cite-ref-1[1]
Contents
⢠Statut
⢠Straftaten
⢠Zuständigkeit
⢠Geschichte
⢠Struktur
⢠Sitz
⢠Allgemeines
⢠Situationen
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Statut
â
Hauptartikel
:
RĂśmisches Statut des Internationalen Strafgerichtshofs
Die Grundlage des IStGH ist das so genannte Rom-Statut. Der Gerichtshof kann nur Ăźber Individuen und nicht Ăźber Staaten zu Gericht sitzen. Damit wird natĂźrlichen Personen bei ihm eine vĂślkerrechtlich ungewĂśhnliche, beschränkte VĂślkerrechtssubjektivität zuteil. Der IStGH ist eine Internationale Organisation im vĂślkerrechtlichen Sinn, aber kein Teil der Vereinten Nationen. Darin unterscheidet er sich von dem umgangssprachlich als âUN-Kriegsverbrechertribunalâ bezeichneten Internationalen Strafgericht fĂźr das ehemalige Jugoslawien (ICTY) und dem Internationalen Strafgericht fĂźr Ruanda (ICTR). Deren Zuständigkeit betraf nur bestimmte Konflikte, der IStGH dagegen unterliegt keiner derartigen Beschränkung. Die Beziehung des IStGH zu den Vereinten Nationen ist in einem Kooperationsabkommen geregelt. Er wird entweder aufgrund der Unterbreitung einer Situation an den Gerichtshof durch einen Vertragsstaat, einer Verweisung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen oder aufgrund eigener Initiative des Anklägers (proprio motu) tätig.
Straftaten
Vom IStGH kĂśnnen nur solche Verbrechen verfolgt werden, die in Art. 5 des Rom-Statuts namentlich benannt sind: Dies sind VĂślkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und das Verbrechen der Aggression, welche in den Artikeln 6, 7, 8 und 8bis des Statuts definiert werden, soweit sie nach seiner GrĂźndung begangen wurden.cite-ref-nzz-2012-06-30-ba-2-0[2] Das Verbrechen der Aggression fällt jedoch erst seit dem 17. Juli 2018 in die Zuständigkeit des IStGH. Zum Tatbestand der Aggression zählen die Invasion und Besetzung eines anderen Staates sowie Bombardierung und Blockade von Häfen und KĂźsten, auĂerdem die Entsendung bewaffneter Banden. Ob auch humanitäre Interventionen dazu zählen, ist unter VĂślkerrechtlern umstritten, und die Stellung der Vertragsstaaten dazu ist auch nach der Einigung der Vertragsstaaten von 2017 noch unklar. Zwar besitzt der IStGH keine universelle, jedoch eine weitreichende Zuständigkeit, die im RĂśmischen Statut konkret festgeschrieben ist. GegenĂźber der nationalen Gerichtsbarkeit ist seine Kompetenz zur Rechtsprechung nachrangig; er kann eine Tat nur verfolgen, wenn eine nationale Strafverfolgung nicht mĂśglich oder staatlich nicht gewollt ist, sog. Grundsatz der Komplementarität.
Zuständigkeit
Der IStGH erhielt keine universelle Zuständigkeit. Von IStGH verfolgt werden kann eine Person fßr Verbrechen, die nach dem 1. Juli 2002 begangen wurden, und nur dann, wenn
⢠die Person StaatsangehÜriger eines Mitgliedsstaates ist (Art. 12f.),
⢠die Tat auf dem Territorium eines Mitgliedsstaates begangen wurde (Art. 12f.),
⢠die Situation durch den UN-Sicherheitsrat an den IStGH gem. Kapitel VII verwiesen wurde (Art. 13) oder
⢠ein Staat, der nicht Mitglied ist, die Zuständigkeit des IStGH formell bejaht und die Tat auf seinem Territorium verßbt wurde oder die Person StaatsangehÜriger von diesem ist (Art. 12f.).
Weitere Grundsätze
Das IStGH-Statut enthält Regelungen zum Straf-, Strafprozess-, Strafvollstreckungs-, Gerichtsorganisations-, Rechtshilfe- und Auslieferungsrecht. Kerngrundsätze des IStGH sind:
⢠die Zuständigkeit und Gerichtsbarkeit fĂźr die oben genannten âschwersten Verbrechen, welche die internationale Gemeinschaft als Ganzeâ berĂźhren;
⢠der Vorrang der nationalen Gerichtsbarkeit, soweit diese existiert und fähig und willens ist, die Strafverfolgung tatsächlich zu betreiben (Komplementaritätsgrundsatz des IStGH, nur âErgänzungâ);
⢠die individualstrafrechtliche Verantwortlichkeit natßrlicher Personen, ungeachtet eines von ihnen bekleideten, offiziellen Amtes;
⢠die prinzipielle MÜglichkeit zur Annahme freiwilliger, finanzieller Beiträge von natßrlichen und juristischen Personen und
⢠die Konstituierung als ständige Einrichtung.
Im Statut sind grundlegende Strafrechtsprinzipien verankert, z. B. die Grundsätze des Rßckwirkungsverbotes (nullum crimen sine lege) und des Verbotes der Doppelbestrafung (ne bis in idem). Opfer kÜnnen nicht als Nebenkläger auftreten.cite-ref-nzz-2012-06-30-ammann-3-0[3]
Nur solche Verbrechen kÜnnen verfolgt werden, die nach dem Inkrafttreten des Statuts am 1. Juli 2002 begangen wurden. Wenn Staaten das RÜmische Statut später ratifiziert haben, gilt als frßhester Zeitpunkt das Inkrafttreten fßr den jeweiligen Staat. Die Vertretung der Anklage kann aus eigener Initiative heraus in weitem Umfang, aber nicht unbeschränkt, Vorermittlungen anstellen. Bemerkenswert ist der Versuch einer Synthese zweier Rechtssysteme, nämlich des rÜmisch-germanischen und des angelsächsischen Rechts.cite-ref-nzz-2012-06-30-ammann-3-1[3]
Geschichte
Die BemĂźhungen zur Errichtung eines internationalen Strafgerichtshofs reichen bis in die Zwischenkriegszeit zurĂźck. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges scheiterten entsprechende Initiativen innerhalb der Vereinten Nationen sowie durch Menschenrechtsorganisationen insbesondere an den Vorbehalten der beiden GroĂmächte. Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre, hatte sich das Weltklima etwas zu Gunsten der Installation eines Internationalen Strafgerichtshofes geändert.cite-ref-pfeiffer-0-4-0[4] FrĂźhere internationale StrafgerichtshĂśfe wie der fĂźr Jugoslawien oder der fĂźr Ruanda wurden vom Sicherheitsrat der UN jeweils fĂźr die Rechtsprechung in einem bestimmten Konflikt ins Leben gerufen und werden deswegen auch als âAd-hoc-Tribunaleâ bezeichnet. Der Internationale Strafgerichtshof dagegen ist durch einen vĂślkerrechtlichen Vertrag als auf Dauer angelegte juristische Einrichtung geschaffen worden, ist nicht Teil der Vereinten Nationen, sondern eine eigenständige Internationale Organisation mit VĂślkerrechtspersĂśnlichkeit.
Die Ratifizierung des Rom-Statuts durch eine groĂe Anzahl von Staaten verleiht dem Gerichtshof eine hohe Legitimität. Dieser Vertrag wurde nach fĂźnfwĂśchigen Verhandlungen, an denen rund 160 Staaten und Nichtregierungsorganisationen teilnahmen,cite-ref-nzz-2012-06-30-baumann-5-0[5] am 17. Juli 1998 von der UN-Bevollmächtigtenkonferenz in Rom angenommen: 120 Staaten stimmten mit Ja, sieben mit Nein und 21 enthielten sich.cite-ref-nzz-2012-06-30-baumann-5-1[5] Kurz nach Hinterlegung der 60. Ratifikationsurkunde ist das Rom-Statut am 1. Juli 2002 in Kraft getreten. Zuständig ist das Gericht fĂźr seither begangene Verbrechen. Einige Monate später, am 11. März 2003, wurden die ersten 18 Richter feierlich vereidigt.cite-ref-nzz-2012-06-30-baumann-5-2[5] Erster Chefankläger wurde Luis Moreno Ocampo.
Im Jahr 2003 begann am Internationalen Strafgerichtshof die Arbeit am Projekt Legal Tools.cite-ref-6[6] Seitdem werden laufend Informationen zum internationalen Strafrecht, insbesondere aus Gerichtsverfahren, gesammelt, aufbereitet und online als Datenbank (âLegal Tools Databaseâ) verĂśffentlicht. Damit sollen unter anderem Gerichtsverfahren zu den Straftatbeständen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und VĂślkermord unterstĂźtzt werden.cite-ref-7[7]
Im Juni 2010 tagte in Kampala (Uganda) die erste ĂberprĂźfungskonferenz des IStGH (englisch: âReview Conference of the Rome Statuteâ).cite-ref-8[8]cite-ref-9[9] Ziel der Konferenz war es, unter anderem, das bisher ausgesparte Verbrechen der Aggression in das RĂśmische Statut zu integrieren. Es gelang eine Einigung sowohl Ăźber die Definition als auch Ăźber die Bedingungen der AusĂźbung der Gerichtsbarkeit fĂźr das Verbrechen der Aggression in Umsetzung des Mandats von Art. 5 Abs. 2 IStGH-Statut.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11] Die USA schickten zur ersten ĂberprĂźfungskonferenz des IStGH eine Beobachterdelegation. Sie wollte vor allem âverhindern, dass die AnklagebehĂśrde auf eigene Faust ermitteln kann, wenn sie ein Aggressionsverbrechen zu erkennen meint â also militärische Gewalt gegen einen Staat, die offensichtlich gegen die UN-Charta verstĂśĂt. Hinter dem Streit um den Straftatbestand des Angriffskrieges steckt [âŚ] immer auch die Debatte um die âGleichheit vor dem VĂślkerrechtâ und um die Frage, ob politisch einflussreiche Nationen sich dem Gerichtshof auf Dauer entziehen kĂśnnenâ.cite-ref-12[12] Deutschland wurde in Kampala durch Markus LĂśning, Beauftragter fĂźr Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, vertreten.cite-ref-13[13]
2018 umfasste der Haushalt des Internationalen Strafgerichtshofs rund 147 Millionen Euro.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15] Im Haushalt von 2010 war Deutschland nach Japan mit 12,7 Prozent (13,6 Millionen Euro von rund 103,6 Millionen Euro insgesamt) der zweitgrĂśĂte Beitragszahler. Am 5. Februar 2021 entschied der IStGH, dass er aufgrund der Mitgliedschaft von Palästina auch fĂźr die Strafverfolgung von VĂślkerstrafrechtsverbrechen in den von Israel besetzten Gebieten des Westjordanlands, in Ostjerusalem und im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen zuständig ist.cite-ref-16[16]
Im Mai 2024 wurde bekannt, dass der israelische Geheimdienst Mossad eine neun Jahre dauernde Operation gegen den Internationalen Strafgerichtshof und gegen dessen Chefankläger â zuerst Fatou Bensouda und dann Karim Khan â fĂźhrte. Mitarbeiter des Gerichtes, insbesondere die Ankläger, aber auch ihre Familien wurden abgehĂśrt und observiert; die Ankläger und ihre Familien wurden eingeschĂźchtert und persĂśnlich bedroht.cite-ref-7-17-0[17]
Im Jahr 2025 trat die Ukraine dem Internationalen Strafgerichtshof bei â allerdings erkennt sie die Zuständigkeit des IStGH fĂźr die ersten sieben Jahre nur fĂźr von Ausländern begangene Verbrechen an, da sie befĂźrchtet, dass das Vorgehen der ukrainischen Armee im Russisch-Ukrainischen Krieg in einigen Fällen als Kriegsverbrechen angeklagt werden kĂśnnte. Somit kĂśnnen nur von russischer Seite begangene Verbrechen vor dem IStGH verfolgt werden.cite-ref-tagesschau2024-18-0[18]
Zu den historischen Vorläufern des IStGH siehe: Geschichte des VÜlkerstrafrechts
Struktur
Vertragsparteien des Rom-Statuts
Seit Januar 2025 gehĂśren 125 Staaten dem Rom-Statut zum Internationalen Strafgerichtshof an:cite-ref-19[19]
⢠in Afrika 33 Staaten, nämlich Benin, Botswana, Burkina Faso, Dschibuti, die Elfenbeinkßste, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Kap Verde, Kenia, die Komoren, die Demokratische Republik Kongo, die Republik Kongo, Lesotho, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mali, Mauritius, Namibia, Niger, Nigeria, Sambia, Senegal, die Seychellen, Sierra Leone, Sßdafrika, Tansania, Tschad, Tunesien, Uganda und die Zentralafrikanische Republik,
⢠in Amerika 29 Staaten, und zwar Antigua und Barbuda, Argentinien, Barbados, Belize, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Dominica, die Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Grenada, Guatemala, Guyana, Honduras, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Panama, Paraguay, Peru, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Suriname, Trinidad und Tobago, Uruguay und Venezuela,
⢠in Asien und Ozeanien 23 Staaten, nämlich Afghanistan, Armenien,cite-ref-20[20] Bangladesch, Georgien, Japan, Jordanien, Kambodscha, Kiribati, die Malediven, die Mongolei, Osttimor, Palästina,cite-ref-21[21]cite-ref-spon-1026644-22-0[22] Sßdkorea, Tadschikistan und Zypern sowie Australien, die Cookinseln, Fidschi, die Marshallinseln, Nauru, Neuseeland, Samoa und Vanuatu.
⢠in Europa 40 Staaten, und zwar Albanien, Andorra, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, die Republik Moldau, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Norwegen, Ăsterreich, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Schweden, die Schweiz, Serbien, die Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, die Ukraine (Beitritt 2025 â die ersten sieben Jahre wird die Zuständigkeit allerdings nicht fĂźr die eigenen StaatsbĂźrger anerkanntcite-ref-tagesschau2024-18-1[18]cite-ref-6-23-0[23]; fĂźr Taten von Ausländern Zuständigkeit aber bereits 2013 teilweise anerkanntcite-ref-24[24]cite-ref-eup-p9-ta-2022-0218-25-0[25]), Ungarn (Austritt wird am 2. Juni 2026 wirksam) und das Vereinigte KĂśnigreich.
25 andere Staaten haben den Vertrag zwar unterzeichnet, ihn aber bisher nicht ratifiziert:
⢠Ăgypten, Algerien, Angola, die Bahamas, Bahrain, Eritrea, Guinea-Bissau, Haiti, Iran, Jamaika, Jemen, Kamerun, Kuwait, Kirgisistan, Marokko, Monaco, Mosambik, Oman, die Salomonen, SĂŁo TomĂŠ und PrĂncipe, Simbabwe, Syrien, Thailand, Usbekistan und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Vier Staaten haben die Unterschrift unter dem Vertrag zurßckgezogen. Sie haben dem Generalsekretär der Vereinten Nationen als dem Verwahrer des Statuts mitgeteilt, dass sie nicht beabsichtigen, das Statut zu ratifizieren:
Mehrere Staaten haben zumindest zeitweilig die Absicht bekundet, wieder aus dem Vertrag auszuscheiden (siehe dazu weiter unten: Austritte aus dem IStGH):
2016 kßndigten die drei afrikanischen Staaten Sßdafrika, Burundi und Gambia an, ihre IStGH-Mitgliedschaft zu beenden, traten später jedoch teilweise von dieser Ankßndigung zurßck.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27] Sßdafrika und Gambia sind weiterhin Mitglied,cite-ref-0-28-0[28] Burundi schied am 27. Oktober 2017 aus.cite-ref-29[29] Die Philippinen entschieden sich im März 2018 ihre Mitgliedschaft aus dem Internationalen Strafgerichtshof zurßckzuziehen und traten am 17. März 2019 offiziell aus.cite-ref-30[30] Der 2025 beschlossene Austritt von Ungarn wird am 2. Juni 2026 wirksam.
Die Ukraine hat das Rom-Statut unterzeichnet, jedoch erst 2024 ratifiziert; sie hat ihr Gebiet seiner Gerichtsbarkeit 2015 rßckwirkend fßr alle Fälle von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit 2013 unterworfen. Damit sollen auch russische Kriegsverbrechen in ihrem Land verfolgt werden kÜnnen.cite-ref-31[31]cite-ref-eup-p9-ta-2022-0218-25-1[25] Am 1. Januar 2025 trat das RÜmische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs fßr die Ukraine in Kraft; allerdings unter dem Vorbehalt, dass der Internationale Strafgerichtshof mÜgliche Kriegsverbrechen, die das ukrainische Militär in den kommenden sieben Jahren begehen kÜnnte, nicht untersuchen darf.cite-ref-tagesschau2024-18-2[18]
Von den 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sind damit 123 dem Statut beigetreten (die Cookinseln und Palästina sind keine UN-Mitgliedstaaten). 25 haben es unterzeichnet, aber nicht ratifiziert, 4 die Unterschrift zurßckgezogen und 41 haben das Statut nicht unterzeichnet. Es hat somit Zuständigkeit fßr ßber 60 % aller Staaten der Erde mit etwa 30 % der WeltbevÜlkerung.cite-ref-nzz-2012-06-30-baumann-5-3[5]cite-ref-32[32]
Gerichtsorganisation
Der Gerichtshof setzt sich zusammen aus:
⢠Präsidium (1 Präsident und 2 Vizepräsidenten)
⢠Vorverfahrensabteilung (7 Richter; jeweils in Dreierbesetzung als Kammer tätig)
⢠Hauptverfahrensabteilung (6 Richter; jeweils in Dreierbesetzung als Kammer tätig)
⢠Rechtsmittelabteilung (5 Richter)
⢠AnklagebehÜrde (1 Ankläger und 2 stellvertretende Ankläger)
⢠Chefankläger des IStGH ist seit dem 16. Juni 2021 Karim Ahmad Khan, ein britischer Jurist. Er ist Nachfolger von Fatou Bensouda, die von Juni 2012 an Chefanklägerin des IStGH war.
⢠Kanzlei (untersteht dem Präsidenten)
⢠Registrar (oberster Verwaltungschef) ist seit April 2023 Osvaldo Zavala Giler. Vorgänger waren Bruno Cathala (2003â2008), Silvana Arbia (2008â2013), Herman von Hebel (2013â2018) und Peter Lewis (2018â2023).
Das Gehalt eines Richterscite-ref-33[33] wie auch des Anklägers (Art. 49 IStGH-Statut) entspricht dem eines Untergeneralsekretärs der Vereinten Nationen (ca. 180 000 ⏠im Jahr); der Präsident erhält auĂerdem eine Zulage von 18 000 âŹ.
Derzeitige Richter
â
Hauptartikel
:
Liste der Richter am Internationalen Strafgerichtshof
Seit März 2024 steht die japanische Richterin Tomoko Akane dem IStGH als Präsidentin vor, wo sie bereits seit 2018 arbeitet. Erster Vizepräsident ist Rosario Salvatore Aitala aus Italien, Zweite Vizepräsidentin die beninische Richterin Reine Alapini-Gansou.cite-ref-34[34] Bei der letzten Richterwahl zum Internationalen Strafgerichtshof wurden im Dezember 2023 sechs neue Richter gewählt, die am 8. März 2024 vereidigt wurden.cite-ref-35[35]
| Herkunftsstaat | Name | Amtszeit | Präsident | Vizepräsident |
|---|---|---|---|---|
| Peru Peru | Luz del Carmen IbĂĄĂąez Carranza | 2018â2027 | | 2021â2024 |
| Uganda Uganda | Solomy Balungi Bossa | 2018â2027 | | |
| Japan Japan | Tomoko Akane | 2018â2027 | 2024â | |
| Benin Benin | Reine Alapini-Gansou | 2018â2027 | | 2024â |
| Kanada Kanada | Kimberly Prost | 2018â2027 | | |
| Italien Italien | Rosario Salvatore Aitala | 2018â2027 | | 2024â |
| Vereinigtes Konigreich Vereinigtes KĂśnigreich | Joanna Korner | 2021â2030 | | |
| Georgien Georgien | Gotscha Lortkipanidse | 2021â2030 | | |
| Sierra Leone Sierra Leone | Miatta Maria Samba | 2021â2030 | | |
| Mexiko Mexiko | Socorro Flores Liera | 2021â2030 | | |
| Costa Rica Costa Rica | Sergio Gerardo Ugalde GodĂnez | 2021â2030 | | |
| Trinidad und Tobago Trinidad und Tobago | Althea Violet Alexis-Windsor | 2021â2030 | | |
| Korea Sud SĂźdkorea | Paek Keebong | 2024â2033 | | |
| Mongolei Mongolei | Erdenebalsuren Damdin | 2024â2033 | | |
| Rumänien Rumänien | Iulia Motoc | 2024â2033 | | |
| Tunesien Tunesien | Haykel Ben Mahfoudh | 2024â2033 | | |
| Frankreich Frankreich | Nicolas Guillou | 2024â2033 | | |
| Slowenien Slowenien | Beti Hohler | 2024â2033 | | |
Sitz
Der Sitz des Internationalen Strafgerichtshofs befand sich zunächst an der Ecke Maanweg/Regulusweg im Den Haager Stadtteil Laak in einem als De Arc bezeichneten BĂźrogebäude. Die entsprechenden Mietzahlungen wurden bis 2012 von den Niederlanden und anschlieĂend von der Gemeinschaft der Vertragsstaaten geleistet. Da dieses Gebäude die Anforderungen, die durch die Aktivitäten des Gerichts entstehen, insbesondere hinsichtlich der Lage, der Sicherheit und der räumlichen Ausstattung nur unzureichend erfĂźllte, wurde ab Mitte 2012 auf dem Gelände der Alexanderkaserne im Stadtteil Scheveningen die Errichtung eines Neubaus als dauerhafter Sitz des Gerichts geplant. Die Finanzierung erfolgte durch einen zinsgĂźnstigen Kredit mit langer Laufzeit durch die Niederlande an die Gemeinschaft der Vertragsstaaten. Die Niederlande stellen darĂźber hinaus das GrundstĂźck fĂźr den Neubau kostenfrei zur VerfĂźgung. Im April 2016 wurde das neue Gerichtsgebäude durch den niederländischen KĂśnig Willem-Alexander auf einer Zeremonie in Anwesenheit hochrangiger Gäste erĂśffnet.cite-ref-36[36]
Situationen und Fälle
Allgemeines
Ein Strafverfahren nach dem IStGH-Statut unterscheidet sich in Ablauf und Terminologie von einem Strafverfahren nach nationalem Recht. Es gliedert sich folgendermaĂen (Artikel nach IStGH-Statut):
1. VorprĂźfung (preliminary examination, Art. 15) eines Konfliktfalls (âSituationâ) durch die AnklagebehĂśrde
⢠Prßfungsphasen: 1. Kommunikation; 2. Gerichtsbarkeit; 3. Zulässigkeit; 4. Interesse der Gerechtigkeit
2. Ermittlungen (investigations, Art. 53 ff.) unter Beteiligung einer Vorverfahrenskammer
⢠Begrßndung der Gerichtsbarkeit durch Unterbreitung (referral) von einem Vertragsstaat oder vom Sicherheitsrat oder aufgrund eigener Initiative (proprio motu) des Anklägers (Art. 13)
⢠Strafverfolgung (prosecution) einzelner Personen (âFälleâ); Haftbefehl oder Ladung (Art. 58)
⢠Fixierung der Anklagepunkte (charges, Art. 61) aus den Bereichen VÜlkermord (Art. 6), Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Art. 7), Kriegsverbrechen (Art. 8), Aggression (Art. 8bis), Rechtspflege (Art. 70)
3. Hauptverfahren (trial, Art. 62 ff.) gegen Angeklagte vor einer Hauptverfahrenskammer
⢠Urteil (decision, Art. 74): Freispruch (acquittal) oder Verurteilung/Schuldspruch (conviction) und Strafspruch (sentencing, Art. 76)
4. a. Berufung (appeal, Art. 81) vor der Berufungskammer; b. Wiederaufnahme (revision, Art. 84)
5. a. Wiedergutmachung (reparation, Art. 75) an Opfer; b. Entschädigung (compensation, Art. 85) an Festgenommene/Verurteilte
Ein Aktenzeichen fĂźr eine Situation bzw. einen Fall wird vergeben, wenn die Vorverfahrenskammer erstmals damit befasst ist, d. h.:
⢠bei einer Situation: wenn die Situation von einem Vertragsstaat oder vom Sicherheitsrat unterbreitet wurde oder wenn der Ankläger die Genehmigung von Ermittlungen beantragt hat (Art. 13);
⢠bei einem Fall: wenn der Ankläger fßr die betreffende(n) Person(en) Haftbefehl oder Ladung beantragt hat (Art. 58), ferner wenn Strafverfahren getrennt oder verbunden wurden. Das Aktenzeichen eines Falls beginnt mit dem Aktenzeichen fßr die Situation.
Situationen
Bis März 2022 war die AnklagebehÜrde mit insgesamt 27 Konfliktsituationen befasst. Geographisch betrafen 13 Situationen Afrika, acht Asien, fßnf Sßdamerika und eine Europa. In sieben Situationen wurde die Vorprßfung ohne Einleitung von Ermittlungen geschlossen. In drei Situationen dauert die Vorprßfung an. In 18 Situationen wurden Ermittlungen aufgenommen. Von diesen 17 Situationen wurden acht durch Vertragsstaaten dem Ankläger unterbreitet (sechs durch die betroffenen Regierungen, zwei durch Drittstaaten), zwei Situationen wurden vom Sicherheitsrat der UN ßberwiesen, und fßr sieben Situationen hat der Ankläger die Genehmigung fßr Ermittlungen von einer Vorverfahrenskammer erhalten.
| Konfliktsituation (Beginn) | Gerichtsbarkeit begrĂźndet durch | Monat | Aktenz. | Ergebnis | Ref. |
|---|---|---|---|---|---|
| Kolumbien Kolumbien (2002) | â | â | â | Vp. geschl. 2021-10 | [ 37 ] |
| Irak Irak / Vereinigtes Konigreich UK (2003) | â | â | â | Vp. geschl. 2020-12 | [ 38 ] |
| Honduras Honduras (2009) | â | â | â | Vp. geschl. 2015-10 | [ 39 ] |
| Korea Sud SĂźdkorea (2010) | â | â | â | Vp. geschl. 2014-06 | [ 40 ] |
| Palastina Staat Palästina (2010) | Komoren | 2013-05 | ICC-01/13 | Vp. geschl. 2017-11 | [ 41 ] |
| Gabun Gabun (2016) | Gabun | 2016-09 | ICC-01/16 | Vp. geschl. 2018-09 | [ 42 ] |
| Bolivien Bolivien (2020) | Bolivien | 2020-09 | ICC-02/20 | Vp. geschl. 2022-02 | [ 43 ] |
| Nigeria Nigeria (2009) | â | â | â | Vp. laufend (fertig) | [ 44 ] |
| Guinea-a Guinea (2009) | â | â | â | Vp. laufend | [ 45 ] |
| Venezuela Venezuela II (2014) | Venezuela | 2020-02 | ICC-01/20 | Vp. laufend | [ 46 ] |
| Kongo Demokratische Republik D.R. Kongo (2002) | D.R. Kongo | 2004-04 | ICC-01/04 | Erm. seit 2004-06 | [ 47 ] |
| Uganda Uganda (2002) | Uganda | 2004-01 | ICC-02/04 | Erm. seit 2004-07 | [ 48 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. I (2002) | Zentralafrikan. Rep. | 2004-12 | ICC-01/05 | Erm. seit 2007-05 | [ 49 ] |
| Sudan Sudan , Darfur (2002) | UN-Sicherheitsrat ( S/RES/1593 ) | 2005-03 | ICC-02/05 | Erm. seit 2005-06 | [ 50 ] |
| Kenia Kenia (2007) | Ankläger | 2009-11 | ICC-01/09 | Erm. seit 2010-03 | [ 51 ] |
| Libyen Libyen (2011) | UN-Sicherheitsrat ( S/RES/1970 ) | 2011-02 | ICC-01/11 | Erm. seit 2011-03 | [ 52 ] |
| Elfenbeinkßste Elfenbeinkßste (2002, 2010) | Ankläger | 2011-06 | ICC-02/11 | Erm. seit 2011-10 | [ 53 ] |
| Mali Mali (2012) | Mali | 2012-07 | ICC-01/12 | Erm. seit 2013-01 | [ 54 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. II (2012) | Zentralafrikan. Rep. | 2014-05 | ICC-01/14 | Erm. seit 2014-09 | [ 55 ] |
| Georgien Georgien (2008) | Ankläger | 2015-10 | ICC-01/15 | Erm. seit 2016-01 | [ 56 ] |
| Burundi Burundi (2015) | Ankläger | 2017-09 | ICC-01/17 | Erm. seit 2017-10 | [ 57 ] |
| Afghanistan Afghanistan (2003) | Ankläger | 2017-11 | ICC-02/17 | Erm. seit 2020-03 | [ 58 ] |
| Palastina Staat Palästina (2014) | Staat Palästina | 2018-01 | ICC-01/18 | Erm. seit 2021-03 | [ 59 ] |
| Venezuela Venezuela I (2014) | Argentinien u. a. | 2018-09 | ICC-02/18 | Erm. seit 2021-11 | [ 60 ] |
| Bangladesch Bangladesch / Myanmar Myanmar (2016) | Ankläger | 2019-07 | ICC-01/19 | Erm. seit 2019-11 | [ 61 ] |
| Philippinen Philippinen (2011) | Ankläger | 2021-05 | ICC-01/21 | Erm. seit 2021-09 | [ 62 ] |
| Ukraine Ukraine (2013) | Litauen u. a. | 2022-03 | ICC-01/22 | Erm. seit 2022-03 | [ 63 ] |
| Kongo Demokratische Republik D.R. Kongo II (2022) | Ankläger | 2023-06 | ICC-01/23 | Vp. geschl. 2024-10 Wiederaufnahme mit neuer Schwerpunktsetzung angekßndigt | [ 64 ] |
| Belarus Belarus (2020) | Litauen Litauen | 2024-09 | ICC-01/24 | Vp. laufend | [ 65 ] |
Fälle und Beschuldigte
Bis Juni 2024 entstanden aus den 17 Konfliktsituationen, in denen die AnklagebehĂśrde Ermittlungen aufgenommen hat, 32 Strafverfahren (âFälleâ) sowie Anklagen und Haftbefehle gegen 65 Personen (defendants)cite-ref-66[66] (darunter zwei Frauen).
| Konfliktsituation | Aktenzeichen | Beschuldigte | Haftbefehl | Ergebnisse (kursiv = vorläufig) | Ref. |
|---|---|---|---|---|---|
| Kongo Demokratische Republik D.R. Kongo | ICC-01/04-01/06 | Thomas Lubanga | | Freiheitsstrafe (14 Jahre) | [ 67 ] |
| Kongo Demokratische Republik D.R. Kongo | ICC-01/04-02/06 | Bosco Ntaganda | | Freiheitsstrafe (30 Jahre) | [ 68 ] |
| Kongo Demokratische Republik D.R. Kongo | ICC-01/04-01/07 | Germain Katanga | | Freiheitsstrafe (12 Jahre) | [ 69 ] |
| Kongo Demokratische Republik D.R. Kongo | ICC-01/04-01/10 | Callixte Mbarushimana | | Anklage nicht bestätigt | [ 70 ] |
| Kongo Demokratische Republik D.R. Kongo | ICC-01/04-01/12 | Sylvestre Mudacumura | | verstorben [ 71 ] | [ 72 ] |
| Kongo Demokratische Republik D.R. Kongo | ICC-01/04-02/12 | Mathieu Ngudjolo Chui | | freigesprochen | [ 73 ] |
| Uganda Uganda | ICC-02/04-01/05 | Joseph Kony | | flĂźchtig | [ 74 ] |
| Uganda Uganda | ICC-02/04-01/05 | Vincent Otti | | verstorben | [ 74 ] |
| Uganda Uganda | ICC-02/04-01/05 | Raska Lukwiya | | verstorben | [ 74 ] |
| Uganda Uganda | ICC-02/04-01/05 | Okot Odhiambo | | verstorben | [ 74 ] |
| Uganda Uganda | ICC-02/04-01/15 | Dominic Ongwen (ex -01/05) | | Hauptverfahren | [ 75 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. I | ICC-01/05-01/08 | Jean-Pierre Bemba | | freigesprochen | [ 76 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. I | ICC-01/05-01/13 | Jean-Pierre Bemba | | Freiheitsstrafe (1 Jahr), Geldstrafe (300 000 EUR) | [ 77 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. I | ICC-01/05-01/13 | AimĂŠ Kilolo Musamba | | Freiheitsstrafe (11 Monate), Geldstrafe (30 000 EUR) | [ 77 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. I | ICC-01/05-01/13 | Jean-Jacques Mangenda Kabongo | | Freiheitsstrafe (11 Monate) | [ 77 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. I | ICC-01/05-01/13 | Fidèle Babala Wandu | | Freiheitsstrafe (6 Monate) | [ 77 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. I | ICC-01/05-01/13 | Narcisse Arido | | Freiheitsstrafe (11 Monate) | [ 77 ] |
| Sudan Sudan , Darfur | ICC-02/05-01/07 | Ahmad Harun | | flĂźchtig | [ 78 ] |
| Sudan Sudan , Darfur | ICC-02/05-01/20 | Ali Muhammad Ali Abd-al-Rahman (ex -01/07) | | Freiheitsstrafe (20 Jahre) | [ 79 ] |
| Sudan Sudan , Darfur | ICC-02/05-01/09 | Umar al-Baschir | | flĂźchtig | [ 80 ] |
| Sudan Sudan , Darfur | ICC-02/05-02/09 | Bahr Idiriss Abu Garda | | Anklage nicht bestätigt | [ 81 ] |
| Sudan Sudan , Darfur | ICC-02/05-03/09 | Abdallah Banda | | flĂźchtig | [ 82 ] |
| Sudan Sudan , Darfur | ICC-02/05-03/09 | Saleh Jerbo | | verstorben | [ 82 ] |
| Sudan Sudan , Darfur | ICC-02/05-01/12 | Abdel Rahim Mohammed Hussein | | flĂźchtig | [ 83 ] |
| Kenia Kenia | ICC-01/09-01/11 | William Ruto | | Hauptverfahren eingestellt | [ 84 ] |
| Kenia Kenia | ICC-01/09-01/11 | Joshua Sang | | Hauptverfahren eingestellt | [ 84 ] |
| Kenia Kenia | ICC-01/09-01/11 | Henry Kosgey | | Anklage nicht bestätigt | [ 84 ] |
| Kenia Kenia | ICC-01/09-02/11 | Uhuru Kenyatta | | Anklage zurĂźckgenommen | [ 85 ] |
| Kenia Kenia | ICC-01/09-02/11 | Francis Muthaura | | Anklage zurĂźckgenommen | [ 85 ] |
| Kenia Kenia | ICC-01/09-02/11 | Mohamed Hussein Ali | | Anklage zurĂźckgenommen | [ 85 ] |
| Kenia Kenia | ICC-01/09-01/13 | Walter Osapiri Barasa | | flĂźchtig | [ 86 ] |
| Kenia Kenia | ICC-01/09-01/15 | Philip Kipkoech Bett | | flĂźchtig | [ 87 ] |
| Kenia Kenia | ICC-01/09-01/20 | Paul Gicheru (ex -01/15) | | Hauptverfahren | [ 88 ] |
| Libyen Libyen | ICC-01/11-01/11 | Saif al-Gaddafi | | flĂźchtig | [ 89 ] |
| Libyen Libyen | ICC-01/11-01/11 | Muammar al-Gaddafi | | verstorben | [ 89 ] |
| Libyen Libyen | ICC-01/11-01/11 | Abdullah as-Sanusi | | Verfahren in Libyen | [ 89 ] |
| Libyen Libyen | ICC-01/11-01/13 | Al-Tuhamy Mohamed Chalid | | flĂźchtig | [ 90 ] |
| Libyen Libyen | ICC-01/11-01/17 | al-Warfalli | | flĂźchtig | [ 91 ] |
| ElfenbeinkĂźste ElfenbeinkĂźste | ICC-02/11-01/15 | Laurant Gbagbo (ex -01/11) | | freigesprochen | [ 92 ] |
| ElfenbeinkĂźste ElfenbeinkĂźste | ICC-02/11-01/15 | Charles BlĂŠ GoudĂŠ (ex -02/11) | | freigesprochen | [ 92 ] |
| ElfenbeinkĂźste ElfenbeinkĂźste | ICC-02/11-01/12 | Simone Gbagbo | | Verfahren eingestellt | [ 93 ] |
| Mali Mali | ICC-01/12-01/15 | Ahmad al-Faqi al-Mahdi | | Freiheitsstrafe (7 Jahre) | [ 94 ] |
| Mali Mali | ICC-01/12-01/18 | Al Hassan Ag al-Hassan | | Freiheitsstrafe (9 Jahre) | [ 95 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. II | ICC-01/14-01/18 | Alfred Yekatom | | Freiheitsstrafe (15 Jahre) | [ 96 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. II | ICC-01/14-01/18 | Patrice-Edouard NgaĂŻssona | | Freiheitsstrafe (12 Jahre) | [ 96 ] |
| Zentralafrikanische Republik Zentralafrikan. Rep. II | ICC-01/14-01/21 | Mahamat Said Abdel Kani | | Hauptverfahren | [ 97 ] |
| Georgien Georgien | ICC-01/15 | Michail Mairamowitsch Mindsajew | 06/2022 | flĂźchtig | [ 98 ] |
| Georgien Georgien | ICC-01/15 | Gamlet Gutschmasow | 06/2022 | flĂźchtig | [ 98 ] |
| Georgien Georgien | ICC-01/15 | Dawid Georgijewitsch Sanakojew | 06/2022 | flĂźchtig | [ 98 ] |
| Ukraine Ukraine [ 63 ] | ICC-01/22 | Wladimir Putin | 03/2023 | flĂźchtig | [ 99 ] |
| Ukraine Ukraine [ 63 ] | ICC-01/22 | Marija Lwowa-Belowa | 03/2023 | flĂźchtig | [ 100 ] |
| Ukraine Ukraine [ 63 ] | ICC-01/22 | Sergei Kobylasch | 03/2024 | flĂźchtig | [ 101 ] |
| Ukraine Ukraine [ 63 ] | ICC-01/22 | Wiktor Sokolow | 03/2024 | flĂźchtig | [ 102 ] |
| Ukraine Ukraine [ 63 ] | ICC-01/22 | Sergei Schoigu | 06/2024 | flĂźchtig | [ 103 ] |
| Ukraine Ukraine [ 63 ] | ICC-01/22 | Waleri Gerassimow | 06/2024 | flĂźchtig | [ 104 ] |
| Palastina Palästina [ 105 ] | ICC-01/18 | Yahya Sinwar | 05/2024 | verstorben | [ 105 ] |
| Palastina Palästina [ 105 ] | ICC-01/18 | Ismail Haniyya | 05/2024 | verstorben | [ 105 ] |
| Palastina Palästina [ 105 ] | ICC-01/18 | Mohammed Deif | 05/2024 | verstorben [ 106 ] | [ 107 ] |
| Palastina Palästina [ 105 ] | ICC-01/18 | Benjamin Netanjahu | 11/2024 | flßchtig | [ 108 ] |
| Palastina Palästina [ 105 ] | ICC-01/18 | Joaw Galant | 11/2024 | flßchtig | [ 108 ] |
| Philippinen Philippinen | ICC-01/21 | Rodrigo Duterte | 03/2025 | Untersuchungshaft | [ 109 ] |
| Afghanistan Afghanistan | ICC-02/17 | Hibatullah Achundsada | 07/2025 | flĂźchtig | [ 110 ] |
| Afghanistan Afghanistan | ICC-02/17 | Abdul Hakim Haqqani | 07/2025 | flĂźchtig | [ 110 ] |
Strafverfahren des IStGH (Auswahl)
Die erste Verhandlung fand im Januar 2009 im Verfahren der Anklage gegen Thomas Lubanga statt.cite-ref-111[111] Ihm wurde zur Last gelegt, als Grßnder und Fßhrer der bewaffneten Miliz Union des Patriotes Congolais in der Demokratischen Republik Kongo Kinder zwangsrekrutiert und in kriegerischen Auseinandersetzungen eingesetzt zu haben. Ende 2009 wurde auch in der Sache Germain Katanga und Mathieu Ngudjolo Chui verhandelt.cite-ref-112[112] Am 14. März 2012 erlieà der IStGH sein erstes Urteil und verurteilte den ehemaligen Milizenfßhrer Thomas Lubanga wegen Rekrutierung von Kindersoldaten im Zuge des zweiten Kongokrieges.cite-ref-113[113] Das Strafmaà wurde am 10. Juli 2012 verkßndet: 14 Jahre Freiheitsstrafe.cite-ref-114[114]cite-ref-115[115]cite-ref-fazschuldig-116-0[116]cite-ref-sponhaft-117-0[117]
Am 14. Juli 2008 hat Luis Moreno Ocampo, der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, erstmals gegen ein amtierendes Staatsoberhaupt, den sudanesischen Staatschef Umar Hasan Ahmad al-Baschir, Haftbefehl wegen VÜlkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen beantragt.cite-ref-118[118] Das Gericht gab diesem Antrag am 4. März 2009 nur teilweise statt und stellte einen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen aus.cite-ref-119[119]
Der frĂźhere kongolesische MilizenfĂźhrer Mathieu Ngudjolo Chui wurde mangels Beweisen von den VorwĂźrfen âKriegsverbrechenâ und âVerbrechen gegen die Menschlichkeitâ (u. a. wegen Rekrutierung von Kindersoldaten, sexueller Versklavung und Angriffen gegen die ZivilbevĂślkerung) freigesprochen.cite-ref-120[120]
2013 wurde Laurent Gbagbo, der ehemalige Präsident der ElfenbeinkĂźste, wegen âindirekter Mittäterschaft an Verbrechen gegen die Menschlichkeitâ vor Gericht gestellt.cite-ref-121[121] Im Januar 2019 wurde Gbagbo freigesprochen.cite-ref-122[122] Im März 2014 wurde Germain Katanga wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei einem Massaker in einem Dorf in der Provinz Ituri (Demokratische Republik Kongo) schuldig gesprochen. Am 23. Mai 2014 wurde er dafĂźr zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt.cite-ref-123[123] Drei Jahre nach der Erhebung der Anklage und nachdem der Beginn des Prozesses mehrfach vertagt werden musste, erschien Uhuru Kenyatta am 8. Oktober 2014 als erster amtierender Staatspräsident vor dem Strafgerichtshof.cite-ref-124[124] Am 5. Dezember 2014 gab die Chefanklägerin Fatou Bensouda bekannt, dass sie die Anklage gegen Kenyatta wegen Mangels an Beweisen zurĂźckziehe. Der kenianischen Regierung warf sie mangelnde Kooperation vor und kam zum Schluss, es handle sich um einen schwarzen Tag fĂźr die internationale Strafjustiz.cite-ref-125[125]
Im September 2016 wurde Ahmad al-Faqi al-Mahdi wegen der ZerstÜrung von Kulturgßtern in Timbuktu zu neun Jahren Haft verurteilt. Da al-Mahdi geständig war und mit dem Gericht kooperierte, konnte der Prozess innerhalb eines Jahres abgewickelt werden.cite-ref-126[126]cite-ref-127[127] Erstmals beantragten 2018 sechs Mitgliedsstaaten, Ermittlungen gegen ein anderes Mitgliedsland einzuleiten; der Regierung Venezuelas wurde von fßnf sßdamerikanischen Staaten sowie Kanada Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.cite-ref-128[128]cite-ref-129[129]
Im November 2019 nahm der IStGH infolge der Vertreibung der muslimischen Rohingya offizielle Untersuchungen in Myanmar auf wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.cite-ref-130[130] Am 27. November 2024 beantragte der Chefankläger des IStGH im VÜlkermord-Fall Rohingya Haftbefehl gegen den myanmarischen Putschisten Min Aung Hlaing wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit der Deportation und Verfolgung der Rohingya im Jahr 2017.cite-ref-8-131-0[131]
Am 17. März 2023 erlieà der IStGH Haftbefehl gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin sowie die russische Kinderrechtskommissarin Marija Lwowa-Belowa wegen Kriegsverbrechen im Rahmen des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Konkret wird den beiden vorgeworfen, vÜlkerrechtswidrige Deportationen von ukrainischen Kindern nach Russland verantwortet zu haben.cite-ref-1-99-1[99]cite-ref-132[132] Am 5. März 2024 und am 25. Juni 2024 folgten jeweils zwei weitere Haftbefehle gegen Offizielle der Russischen FÜderation (Sergei Kobylasch, Wiktor Sokolow, Sergei Schoigu und Waleri Gerassimow), u. a. wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.cite-ref-133[133]cite-ref-134[134]
Am 21. November 2024 erlieĂ der IStGH Haftbefehle gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Israels Verteidigungsminister Joaw Galant sowie gegen den Hamas-FĂźhrer Mohammed Deif wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Rahmen des Kriegs in Israel und Gaza seit 2023.cite-ref-4-108-2[108]cite-ref-5-107-1[107] Die Haftbefehle waren am 20. Mai 2024 durch Chefankläger Karim Khan beantragt worden. Auch fĂźr die Hamas-FĂźhrer Yahya Sinwar und Ismail Haniyya hatte Khan Haftbefehle beantragt. Die drei Hamas-FĂźhrer sollten strafrechtliche Verantwortung fĂźr die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die seit dem 7. Oktober 2023 begangen wurden, tragen, darunter Mord, Geiselnahme, Vergewaltigung und andere Akte sexueller Gewalt, Folter sowie andere unmenschliche Handlungen, grausame Behandlung und Verletzung der persĂśnlichen WĂźrde.cite-ref-3-105-3[105] Jedoch wurden Sinwar und Haniyya getĂśtet, bevor ein Entscheid des Internationalen Strafgerichtshof Ăźber den Haftbefehl erging. Auch Deif soll getĂśtet worden sein. Dennoch stellte der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen ihn aus.cite-ref-5-107-2[107] Netanjahu und Galant wird laut Khan die HerbeifĂźhrung von Ausrottung, die Kriegsmethode des Aushungerns, einschlieĂlich der Verweigerung humanitärer Hilfslieferungen, sowie die gezielte Bekämpfung von Zivilisten vorgeworfen.cite-ref-3-105-4[105]cite-ref-135[135] Israel behindert Ermittlungen des IStGH, weil es die Ermittler nicht in den Gazastreifen einreisen lässt.cite-ref-136[136] Im Juli 2025 lehnten die Richter des IStGH den Antrag Israels ab, die Haftbefehle gegen Premierminister Benjamin Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant zurĂźckzuziehen.cite-ref-137[137]
Der frßhere philippinische Präsident Rodrigo Duterte wurde am 11. März 2025 wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhaftet und am nächsten Tag nach Den Haag gebracht.cite-ref-138[138]cite-ref-139[139]
Im Juli 2025 erlieĂ der IStGH mit dem Vorwurf Verbrechen gegen die Menschlichkeit wegen der UnterdrĂźckung von Frauen in Afghanistan Haftbefehl gegen Hibatullah Achundsada (Taliban-AnfĂźhrer und Staatsoberhaupt des Islamischen Emirat Afghanistan) und Abdul Hakim Hakkani (Oberster Richter der Taliban im Emirat Afghanistan).cite-ref-92-140-0[140]
Internationale Akzeptanz
BefĂźrwortung des IStGH
Um eine Verwirklichung des IStGH auch gegen den Widerstand der USA und anderer Staaten haben sich insbesondere die Länder der Europäischen Union bemßht, da es der EU wie auch den anderen Unterzeichnerstaaten ein wichtiges Anliegen ist, VÜlkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch auf internationaler Ebene durch ein unabhängiges Gericht ahnden zu kÜnnen. Andernfalls wäre man immer an den oft schwer erzielbaren Konsens im UN-Sicherheitsrat und die nationale Strafverfolgung gebunden. Die Straftatbestände, die in die Zuständigkeit des IStGH fallen, berßhren wegen ihrer Schwere die Internationale Gemeinschaft als Ganzes. Die Einfßhrung eines international tätigen Strafgerichtshofes stärkt folglich das UN-System.
Eine wesentliche Rolle bei der Durchsetzung des IStGH hatte auch die Coalition for an International Criminal Court (CICC), ein Zusammenschluss von weltweit mehr als 1.500 nichtstaatlichen Organisationen, die 1995 vom World Federalist Movement initiiert wurde. Die CICC wurde zum Teil von der EU finanziert.
Fßrsprecher des IStGH betonen, dass dieser mittlerweile bei allen Schwierigkeiten dennoch zu einer Instanz geworden sei, die auch von Staaten wie den USA und China ins Kalkßl gezogen werde, während noch vor wenigen Jahrzehnten der Gedanke an ein Weltstrafgericht abwegig erschienen sei. Auf staatlicher Ebene ist zudem eine vorsichtig steigende Bereitschaft zur Verfolgung von VÜlkerstraftaten zu beobachten. So hat beispielsweise Deutschland ein nationales VÜlkerstrafgesetzbuch geschaffen, das der Anpassung des deutschen Strafrechts an das Rom-Statut dient.cite-ref-pfeiffer-0-4-1[4]
Ablehnung des IStGH
Die US-Regierung hat im Jahr 2000 das Statut des IStGH unterzeichnet, jedoch die zulässige RĂźcknahme der Unterzeichnung erklärt. Bill Clinton erklärte dazu, dass er das Rom-Statut nicht ratifizieren wolle, solange den Vereinigten Staaten keine ausreichende MĂśglichkeit geboten wĂźrde, den Internationalen Strafgerichtshof und dessen Funktionsweise Ăźber einen längeren Zeitraum zu ĂźberprĂźfen.cite-ref-141[141] Durch den Abschluss bilateraler Verträge mit IStGH-Vertragsparteien und anderen Staaten versuchen die USA, eine Ăberstellung von US-StaatsangehĂśrigen an den IStGH vorsorglich auszuschlieĂen. 2002 wurde der American Service-Membersâ Protection Act rechtskräftig, der den US-Präsidenten implizit dazu ermächtigt, eine militärische Befreiung von US-StaatsbĂźrgern anzuordnen, die sich in Den Haag vor dem IStGH verantworten mĂźssten. Eine Zusammenarbeit mit dem Gericht wird US-BehĂśrden verboten. Zudem kann allen Staaten, die nicht Mitglied der NATO sind und das Statut ratifizieren, die US-Militärhilfe gestrichen werden. Im Zusammenhang mit einem Ermittlungsersuchen der Chefanklägerin am IStGH, Fatou Bensouda, gegen US-Streitkräfte und US-Geheimdienste wegen mĂśglicher Kriegsverbrechen in Afghanistan kĂźndigten die USA im September 2018 an, im Fall von Ermittlungen gegen US-StaatsbĂźrger Einreiseverbote und Finanzsanktionen gegen Richter und Staatsanwälte am IStGH auszusprechen sowie die Richter und Staatsanwälte am IStGH durch US-StrafjustizbehĂśrden verfolgen zu lassen.cite-ref-142[142] Im März 2019 setzten die Vereinigten Staaten erstmals die angedrohten Sanktionen um, erlieĂen Einreiseverbote und entzogen erteilte Visa.cite-ref-143[143] Im Juni 2020 genehmigte US-Präsident Trump Einreiseverbote und Finanzsanktionen gegen IStGH-Mitarbeiter fĂźr den Fall, dass sie ohne Zustimmung Washingtons gegen US-Soldaten ermitteln.cite-ref-144[144] Anfang April 2021 wurden diese Sanktionen vom neuen US-Präsidenten Joe Biden zurĂźckgenommen.cite-ref-145[145]
Im Juni 2024 legten Abgeordnete der US-Republikaner um den Texaner Chip Roy einen Gesetzentwurf "Illegitimate Court Counteraction Act" vor, dem zufolge auch jede juristische Untersuchung ("investigation") von US-Alliierten seitens des IStGH mit amerikanischen Sanktionen beantwortet werden soll. Obwohl das Repräsentantenhaus den Entwurf mit den Stimmen von 205 Republikanern und 42 Demokraten annahm und an den US-Senat weiterleitete, gilt eine Annahme des Gesetzes durch diesen als unwahrscheinlich.cite-ref-146[146]cite-ref-147[147]cite-ref-148[148] Nach Artikel 70 des Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs stellen Behinderung, EinschĂźchterung, oder VergeltungsmaĂnahmen gegen einen Bediensteten des Gerichts eine Straftat dar, die mit bis zu fĂźnf Jahren Haft oder mit Geldstrafe geahndet wird.
Weitere Staaten, die das Rom-Statut nicht ratifiziert haben, sind die Volksrepublik China, Indien, Irak, Iran, Israel, Kuba, Nordkorea, Pakistan, Russland, Syrien, Saudi-Arabien, Sudan und die Tßrkei. Tschechien, das sich lange gegen eine Ratifizierung gesträubt hatte, fßhrte diese im Vorfeld seiner EU-Ratspräsidentschaft im Oktober 2008 durch.cite-ref-149[149]
Die Afrikanische Union warf dem IStGH im Jahr 2013 eine einseitige Verfolgung von Verbrechern nach Rassekriterien, âeine Art von Rassenhetzeâ vor. Bis dahin hatte der Strafgerichtshof ausschlieĂlich Verfahren gegen Afrikaner erĂśffnet.cite-ref-150[150] Gegen den Vorwurf, der IStGH sei ein neokoloniales Instrument, resĂźmiert der Journalist Ulrich Ladurner in der Wochenzeitung Die Zeit: âDer Internationale Strafgerichtshof ist nicht antiafrikanisch, aber er ist unvollständig ⌠Die Kritik am ICC kommt vor allem von denen, die ihn zu fĂźrchten haben â nicht aber von den Opfern der Verbrechen. FĂźr sie ist der Strafgerichtshof die einzige Hoffnung auf Gerechtigkeit.âcite-ref-151[151]
Menschenrechtsorganisationen kritisieren zudem die fehlende Effizienz des Strafgerichtshofes. Sie begrĂźnden ihre Kritik insbesondere damit, dass Nichtvertragsstaaten, in denen Menschenrechtsverletzungen begangen werden, ein Strafverfahren mit UnterstĂźtzung eines der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates verhindern kĂśnnen. Zudem haben einige der einflussreichsten Staaten, darunter die Vetomächte im UN-Sicherheitsrat China, Russland und USA, das Statut des Strafgerichtshofs nicht ratifiziert. Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt betrifft die Auswahl der Fälle, die grĂśĂtenteils aus Afrika kommen, während AngehĂśrige mächtigerer Staaten kaum etwas zu befĂźrchten hätten. Schwierigkeiten und Widerstände fĂźr den IStGH ergeben sich in der Praxis daraus, dass Den Haag auf die UnterstĂźtzung der Staaten angewiesen ist, gegen deren BĂźrger ermittelt wird.cite-ref-pfeiffer-0-4-2[4]
RĂźcktritt vor Ratifikationsverfahren
Das russische AuĂenministerium erklärte dazu, der IStGH arbeite ineffizient und einseitig und dass er in den 14 Jahren seit seiner GrĂźndung erst vier Urteile gefällt, aber mehr als eine Milliarde Dollar ausgegeben habe. Russland verstehe, dass die Afrikanische Union beschlossen habe, koordinierte MaĂnahmen zum RĂźckzug der afrikanischen Staaten vom Rom-Statut zu entwickeln. Russland vertraue auch nicht dem IStGH in Bezug auf den Kaukasuskrieg im Jahr 2008.cite-ref-154[154] In Medienkommentaren wurde das russische Vorgehen in der Ukraine seit 2014cite-ref-155[155]cite-ref-156[156]cite-ref-157[157] als Grund vermutet.cite-ref-158[158] Die Ukraine ist kein Vertragsstaat, hat aber die Zuständigkeit des IStGH fĂźr Ereignisse im Zeitraum von Ende November 2013 bis Ende Februar 2014 anerkannt, um Ermittlungen gegen den gestĂźrzten ukrainischen Staatspräsidenten Wiktor Janukowytsch und frĂźhere Regierungsmitglieder zu ermĂśglichen.cite-ref-159[159] In einem ersten Bericht im November 2015 hat die Anklägerin des IStGH Janukowytsch entlastet; es habe schwere Menschenrechtsverletzungen auf dem Euromaidan gegeben, aber keine Verbrechen gegen die Menschlichkeit.cite-ref-160[160]
Austritte aus dem IStGH
SĂźdafrikas Ex-Justizminister Michael Masutha begrĂźndete das Austrittsbestreben seines Landes damit, dass das Vorgehen des IStGH gegen das in der internationalen Politik gebräuchliche Recht verstoĂe, welches Staatsoberhäuptern anderer Staaten diplomatische Immunität verleihe, solange diese im Amt seien. Dieses Recht der Immunität sei gĂźltiges nationales Recht und stehe im Konflikt zu dem rĂśmischen Statut.cite-ref-165[165] Der IStGH hatte SĂźdafrika 2015 aufgefordert, den sudanesischen Präsidenten Umar al-Baschir zu verhaften, während der sich als Staatsgast in SĂźdafrika aufhielt.cite-ref-166[166] Am 22. Februar 2017 entschied der High Court im sĂźdafrikanischen Pretoria, dass der Austritt verfassungswidrig ist und eine dementsprechende Erklärung umgehend zurĂźckgezogen werden muss.cite-ref-167[167] BegrĂźndet wurde das Urteil damit, dass der Austritt erfolgte, ohne vorher die notwendige Zustimmung des Parlaments einzuholen. Zwar hätte die Zustimmung problemlos nachgeholt werden kĂśnnen, da die Regierungspartei ANC Ăźber eine groĂe Mehrheit im Parlament verfĂźgte, 2017 erklärte die sĂźdafrikanische Regierung jedoch, den IStGH nicht mehr verlassen zu wollen.cite-ref-168[168] Am 25. April 2023 erklärte SĂźdafrikas Präsident Cyril Ramaphosa, die Regierungspartei des Landes ANC habe beschlossen, dass SĂźdafrika aus dem Internationalen Strafgerichtshof austreten solle, der im vergangenen Monat einen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin erlassen hat.cite-ref-169[169] Im Juli 2023 erklärte Ramaphosa, er habe beim ICC ein Verfahren nach Artikel 97cite-ref-170[170] eingeleitet, auf den sich Staaten berufen kĂśnnten, wenn sie eine Verhaftung nicht vornehmen kĂśnnten, weil es HinderungsgrĂźnde gebe.cite-ref-2-171-0[171] Justizminister Ronald Lamola hatte zuvor gesagt, der ICC mĂźsse sich davor hĂźten, zu einem Instrument globaler Machtkämpfe zu werden.cite-ref-2-171-1[171] In der Folge wurde bekannt, dass nicht Putin, sondern Russlands AuĂenminister Lawrow zum BRICS-Treffen reisen werde.cite-ref-172[172]cite-ref-173[173] Am 21. Juli 2023 wurde bekannt: SĂźdafrikas Regierung wĂźrde Russlands Präsidenten Wladimir Putin im Falle einer Einreise in das Land festnehmen lassen, was aus einer von der Oppositionspartei Democratic Alliance verĂśffentlichten eidesstattlichen Erklärung des Justizministeriums hervorgehe.cite-ref-174[174]
Gambia, wo die Afrikanische Kommission der Menschenrechte und der Rechte der VÜlker ihren Sitz hat, revidierte nach der Abwahl von Yahya Jammeh im Januar 2017 seine Austrittsankßndigung.cite-ref-175[175] Burundi trat als erster Mitgliedsstaat mit Wirkung vom 27. Oktober 2017 aus.cite-ref-176[176] Zur Begrßndung fßhrte die burundische Regierung an, dass der IStGH in einseitiger Weise Afrikaner zum Ziel seiner Ermittlungen mache (zu diesem Zeitpunkt waren neun von zehn anhängigen offiziellen Untersuchungen des IStGH gegen afrikanische Länder gerichtet). Sprecher des IStGH erklärten, dass die Ermittlungen des IStGH gegen die burundische Regierung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ungeachtet dessen fortgefßhrt wßrden und dass Burundi nach Artikel 127 des Statuts von Rom zur Kooperation mit den Ermittlern verpflichtet sei. Die Afrikanische Union beriet Ende Januar 2017 ßber einen kollektiven Austritt aus dem ICC, fand aber keinen einstimmigen Konsens.cite-ref-177[177] Einzelne afrikanische Staaten, darunter auch Namibia, ziehen einen Austritt dennoch weiterhin in Betracht.
Die Philippinen verkĂźndeten am 14. März 2018 während der Präsidentschaft Rodrigo Dutertes, aus dem Internationalen Strafgerichtshof auszutreten, und dass sie âihre Ratifizierung des RĂśmischen Statuts mit sofortiger Wirkung zurĂźckziehenâ mit der BegrĂźndung, dass das IStGH als âpolitisches Werkzeug gegen die Philippinenâ benutzt werde. Allerdings wurde der Austritt nach Artikel 127 Absatz 1 des RĂśmischen Statuts erst am 17. März 2019 wirksam.cite-ref-178[178] Duterte wurde am 11. März 2025 wegen des Verdachts auf vor dem Wirksamwerden des Austritts begangene Verbrechen verhaftet (vgl. oben).
Am 3. April 2025 kĂźndigte der Leiter der ungarischen Staatskanzlei, Gergely Gulyas, den Austritt Ungarns aus dem IStGH an. Dies erfolgte in unmittelbarer Folge auf den Staatsbesuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Budapest. Gegen diesen liegt ein vom IStGH ausgestellter Haftbefehl vor. Benjamin Netanjahu dankte dem ungarischen Premier und kommentierte die Entscheidung, es sei âwichtig, dieser korrupten Organisation die Stirn zu bietenâ.cite-ref-179[179] Am 20. Mai billigte das ungarische Parlament den Austritt. Dieser wird am 2. Juni 2026 wirksam.cite-ref-180[180]
Angriffe auf den IStGH
Im Jahr 2024 deckte The Guardian in Zusammenarbeit mit den israelischen Zeitschriften +972 und Local Call auf, dass die israelischen Geheimdienste Mossad, Schin Bet und Aman auf Weisung der von Benjamin Netanjahu gefĂźhrten israelischen Regierung Ăźber neun Jahre hinweg âdazu eingesetzt wurden, hochrangige Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs zu Ăźberwachen, zu hacken, unter Druck zu setzen, zu verleumden und angeblich zu bedrohen, um die Ermittlungen des Gerichts zu behindernâ. Die israelischen Geheimdienste hatten Telefongespräche und andere Arten der Kommunikation mehrerer IStGH-Beamter gezielt abgefangen, darunter der ehemaligen Staatsanwältin Fatou Bensouda und ihres Nachfolgers Karim Ahmad Khan.cite-ref-7-17-1[17]
Der Richter Nicolas Guillou ist als einer von sechs Richtern und drei Staatsanwälten von den USA im August 2025 mit Sanktionen belegt worden. US-Unternehmen wie Amazon, Airbnb oder PayPal schlossen ihn als Nutzer aus. Buchungen, bspw. bei Expedia, wurden sofort storniert. Online-Zahlungen sind ihm kaum mehr mÜglich, da American Express, Visa und Mastercard de facto ßber ein Monopol in Europa verfßgen. Diese US-Sanktionen treffen sechs Richter wegen der Haftbefehle gegen Netanjahu und dessen Verteidigungsminister Gallant. Die Anklage lautet auf Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.cite-ref-181[181]
VerstĂśĂe durch Mitgliedsstaaten
In bisher vier Fällen haben Unterzeichnerstaaten des Internationalen Strafgerichtshofs ihre entsprechenden Verpflichtungen nicht erfßllt und ein Staat dies angekßndigt:
1) Am 1. Juli 2013 lieĂ Nigeria den mit gĂźltigem Haftbefehl gesuchten Umar al-Baschir, Diktator des Sudan, ungehindert vorzeitig ausreisen.cite-ref-182[182]
2) Am 15. Juni 2015 lieĂ auch SĂźdafrika den weiter mit gĂźltigem Haftbefehl gesuchten al-Bashir ungehindert wieder ausreisen.cite-ref-183[183]
3) Am 4. September 2024 lieà die Mongolei den mit gßltigem Haftbefehl gesuchten Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, ungehindert wieder ausreisen.cite-ref-184[184]
4) Nach dem Haftbefehl gegen Benjamin Netanjahu kßndigte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbån am 22. November 2024 an, den israelischen Premierminister einzuladen und nicht festnehmen zu lassen.cite-ref-185[185] Auch Friedrich Merz (Bundesvorsitzender der CDU) garantierte am 24. Februar 2025, einen Tag nach dem Wahlsieg der Union in Deutschland, dass er den ausstehenden Haftbefehl gegen Netanjahu missachten und eine sichere Ein- und Ausreise ermÜglichen wolle.cite-ref-186[186] Kurz nach Ankunft von Netanjahu zum Staatsbesuch in Ungarn gab die ungarischen Regierung am 3. April 2025 bekannt, dass Ungarn den IStGH verlassen werde.cite-ref-187[187] Der Austritt wird am 2. Juni 2026 wirksam.
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Weblinks
Wiktionary: Internationaler Strafgerichtshof
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Internationaler Strafgerichtshof
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Website des Internationalen Strafgerichtshofs (englisch, franzÜsisch)
⢠Kanal des Internationalen Strafgerichtshofs auf YouTube
Einzelnachweise
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